Orosi

Noch auf dem Boot von der Insel Ometepe zum Festland, habe ich mir überlegt, dass ich es doch noch gut ein Paar Tage hier aushalten könnte. Ein wirklich besonderer Ort, der schon in kurzer Zeit nicht mehr so sein wird wie heute, da der Nicaragua Kanal gebaut wird (größerer Panama Kanal) und die Landschaft bald von den größten Kontainerschiffen der Welt zerstört werden soll…

Unser Plan war aber jetzt schnell von Ometepe nach San Jose (12 Stunden) und dann weiter nach Panama Stadt (16 Stunden) zu reisen und nochmal fünf Tage in die Sprachschule zu gehen. Eine Nacht dazwischen verbringen wir im Hostal Aldea in San Jose (Empfehlung!). Gerade als wir den Bus nach Panama Stadt buchen wollen, finde ich durch Zufall einen Flyer einer Sprachschule ganz in der Nähe. Wir rufen an, der Preis passt, sie haben Zeit und noch am selben Nachmittag kommen wir vor Ort an. (1,5 Stunden von San Jose)

Es ist nicht wirklich logisch, aber es war für uns günstiger ein eigenes Zimmer mit Bad im Guesthouse zu buchen als im Dorm des Hostels zu schlafen. Und das beste daran wir waren die einzigen im Guesthouse und hatten somit die gesamte Woche ein eigenes Haus!

Orosi Tal Mana Linda Guest HouseLeider ist von unserer Kamera das Weitwinkel-Objektiv kaputt gegangen (SEL 1650) und deshalb sind keine wirklich schönen Landschaftsaufnahmen entstanden, obowhl die Hügel um das Tal sehr Fotogen sind!

DSC02618Zum Haus gehört noch eine Katze

DSC02362Ein Hund, der uns jeden Tag zu Schule bringt und abholt.

DSC02304Ein Garten mit Banan, Limetten usw.

DSC02341Und, wenn man sich auf die Jagd macht wie Lisa, bekommt man ein schönes Kolibri Foto!

DSC02332 DSC02348So muss man sich doch gut einleben, oder?

Wir verbringen unsere Tage primär mit Sprachschule, lernen und Essen kochen, wiedermal verfliegt die Zeit. Wir machen nur einen Ausflug zum Wasserfall.

DSC02613Sonst gäbe es auch noch einiges zutun, aber wir sind mit wenig zu frieden.

In der Schule lernten wir viel und ich konnte meine erste Unterhaltung führen, in der ich meine Lehrerin ausfragte, was denn die Menschen hier arbeiten, die offensichtlich mehr Geld haben als im rest von Zentral Amerika. Aber hier trügt der Schein. Sie meint, dass es kaum noch Arbeit gibt. Der Kaffeanbau ist komplett zum erliegen gekommen, obowohl wir in Guatemala beobachten konnten wie großflächig Brandgerodet wird, um neue Kaffeeplantagen zu errichten, außerdem seien drei große Firmen in der Region nach Guatemala bzw. Nicaragua abgewandert. Die Produktonskosten sind zu hoch. Wenn man arbeit finden will, muss man aus der Stadt raus.. Sehr interessant und ich bin stolz auf mein bisschen Spanisch :-)

Achja und essensmäßig sind wir total angekommen. Jeden Tag machen wir uns Bohnen, Reis, Avocado und Eier, aber lecker!!

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Sucht man eine Sprachschule in Costa Rica, so würde ich jedem empfehlen nach Orosi zu kommen!

Panama Stadt

Panama Stadt überrascht mit einer Skyline. Sowas gibt es sonst nicht zu sehen in Zentral Amerika.

DSC02643Wir treffen hier auf Lisas Freundin und warten ein paar Tage, bis unser Boot nach Kolumbien ablegt.

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Ich sollte glücklich gucken. Gut gemacht, oder? :-)

Die Stadt hat mich wirklich durch ihren Kontrast geflasht. Unser Stadtteil Casco Viejo wird quasi gerade von Investoren entdeckt. Innerhalb engsten Raum trifft super reich auf super arm. So offensichtlich konnten wir das noch nie beobachten.

DSC02717DSC02702Stück für Stück werden die Häuser renoviert. Dort wo noch das „alte Volk“ lebt, fallen fast die Wände ein. Mercedese rollen durch die Straßen und am Straßenrand werden die Würste gegrillt, oder Tonnen durchsucht. Natürlich gibt es das irgendwie überall. Aber so… ne. Wir haben vom Hostal eine Karte bekommen, in der eine gestrichelte Linie eingezeichnet wurde, die man nicht übertreten sollte, denn dort herscht Armut und die Gefahr ausgeraubt zu werden steigt – das ist nur drei Blocks entfernt.

Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen und sind am Abend ein paar Fotos schießen gegangen.

DSC02739 DSC02728 DSC02722Insgesamt finde ich mittlerweile die einfachen Gegenden viel spannender, das Essen in den Comedors interessanter, alte Gebäude ansprechender als renovierte usw.

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Was ist schöner „alt“ oder „neu“??
alt und neu
alt und neu
zerfallen und renoviert
zerfallen und renoviert
verrostet und poliert
verrostet und poliert

Es gäbe noch ewig viel zu berichten, aber manchmal habe ich auch das Gefühl zu sehen was ich sehen will. Die Gefahr läuft man schnell, wenn man eine gesetzte Meinung hat. Deshalb müssen die Bilder sprechen.

Am vierten Tag machen wir uns ganz für auf den Weg nach Carti. Dort wartet schon unser Boot nach Kolumbien.

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San Blas Inseln

Wir hissen die Segel, naja nicht wirklich, und machen uns an Bord der kleinen Nina Cristi auf ein Abenteuer durch Taka Tuka Land (San Blas Archipel) oder so ähnlich. Relativ schnell realisieren wir auf was wir uns einließen, denn offensichtlich handelt es sich hierbei um ein Piratenschiff samt Besatzung.DSC02866

Wir packen und verlassen das Festland, für die viertägige Boots Tour, die uns von Insel zu Insel von Tag zu Tag, entlang der Küste von Panama, ein Stück näher nach Kolumbien bringen wird.DSC02786

Bevor wir unsere erste echte Pirateninsel betreten, holen wir erst noch den letzten Passagier, im Schlepptau eines Motorrades ab. Damit ist unsere Crew komplett und unser Boot etwas langsamer.

San Blas Tag 1 erste Insel

Angekommen auf der ersten Insel, wird eine kleine luftige Hütte unsere erste Bleibe. Sie ist groß genug für uns fünf Passagiere, die Matrosen nächtigen in Hängematten – wie echte Piraten eben.DSC02880

Die traditionelle Bekleidung der Inselbewohnerinnen ist sehr speziell, aber unterstreicht definitiv das Gefühl in Taka Tuka Land angekommen zu sein.Kuna Traditionelle Bekleidung

Meist ist der Himmel dicht bewölkt, aber ab und an lässt sich die Sonne doch blicken und für den ersten Sonnenbrand für Mailin reicht es auch.

Der Strand ist ausgezeichnet, das Wasser ist kühl und leuchtet türkiesblau. Mehr kann man nicht zum Baden und Schnorcheln eingeladen werden, erfrischt fletzen wir uns in den Schatten der Palmen und fallen allesamt in einen angenehmen Mittagsschlaf.

Zum Mittag wird seit Laos endlich mal wieder Volleyball gespielt!!DSC02804

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Zum Mittag wird seit Laos endlich mal wieder Volleyball gespielt!!

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Nachdem der erste Tag der Eingewöhnungsphase galt, wurde für den darauf folgenden Tag quasi der erste Gürtel im Piratendasein angestrebt. Lektion Nummero Uno „Rum gilt als Wasserersatz“ für Anfänger gerne mal in einer Kokosnuss serviert.DSC02968

Dafür fahren wir eine winzige Insel an mit grade so vielen Palmen, dass für jeden der Besatzung eine Hängematte befestigt werden kann. Wir schaukeln so durch den Tag und ab und an kühlen wir uns im ruhigen Meer etwas ab. Das Mittagessen wird uns per Boot gebracht, gekocht und angerichtet von den Leuten denen diese kleine Insel gehört.

Für den Abend geht es auf eine etwas größere Insel. Unsere Behausung, Teil der Lektion Nummero Dos, wird noch frisch für uns mit Palmenblättern gedeckt als wir auf der Insel ankommen. Wahre härte ist, wenn man noch mit 75 geschwind wie ein Äffchen, aufs Dach einer Holzhütte klettert. Wir sind beeindruckt.DSC02942

Typisch dagegen ist, dass die Hütte bereits seit zwei Wochen ohne Dach besteht und sie erst auf die Idee kamen das Dach zu decken, als sie wussten, dass wir heute kommen. Das werde ich nie verstehen können… :-)

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Letztlich hat es am Abend noch geregnet und wir mussten mit einer Plastikplane das undichte Dach ausbessern, so richtig sind wir eben noch keine Piraten… :-)

Aber dafür schliefen wir diese Nacht auch in Hängematten…das geht 1A.DSC02975

Am 3 Tag, kommen wir auf einer Insel voll mit Einheimischen des Taka Tuka Landes an, hier Kuna genannt. Interessant ist vor allem, dass ich noch nie irgendwo erlebt habe, wie Ureinwohner in einem Land so viele Rechte eingeräumt bekommen, sogar, soweit wir das beurteilen können, frei leben und handeln können. Die ganze Region Kuna-Yala steht unter Verwaltung der Kuna, die sogar eine einreise Steuer verlangen, wenn man ihr Gebiet betreten will. Keiner darf etwas verkaufen, mieten, oder beisitzen, wenn er nicht wenigstens mit einer/einem Kuna verheiratet ist.

Von außen, also vom Meer aus gesehen, sah unsere Insel für heute Nacht unglaublich schmutzig und unattraktiv aus.

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Aber nach einer kurzen Erkundungstour am Abend kann ich nur gegenteiliges berichten. Millionen kleiner Kinder erwarten uns, wollen mit uns spielen und ihre Piratenkunststücke vorführen.

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Sie zeigen uns die Insel und wollen uns sogar mit nach Hause nehmen, aber die Eltern waren nicht ganz so begeistert wie die Kinder.

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Das Einzige, was ich zeigen konnte war, wie man um einen Tisch herum klettert ohne den Boden zu berühren, das war zu mindestens fürs erste eine Herausforderung für sie. Aber auch für mich, denn nun ist mein ganzer Arm und Brustkorb blau – der Ehrgeiz rief… ;-)

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Die vierte und letzte Nacht verbringen wir, nach einem wahren Karibiktag mit Beachvolleyball und schnorcheln im glasklaren Meer, im nächsten Dorf, nur noch 50 Kilometer von Kolumbien entfernt. Hier durfte ich noch mehr über die Dörfer erfahren, die neben denen in Myanmar, den Eindruck erwecken, seinen Einwohnern ein sehr gutes Leben zu bieten.DSC03007

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Das Kuna-Yala Gebiet ist in drei Zonen eingeteilt, die jeweils einen Vorstand quasi Bürgermeister aufstellen. Die Bürgermeister sprechen direkt mit der Regierung von Panama, innerhalb der drei Teile wird immer Mittwochs ein Bürgerrat abgehalten und jegliche Sorgen oder Ideen diskutiert. Ebenfalls werden z.B. die Einnahmen des gemeinschaftlichen Hostals (in dem wir übernachteten) abgerechnet, sowie die die Ernte auf den Feldern, die auch gemeinschaftlich betrieben werden. Gemeinschaftliche Nahrungsmittel werden geteilt, der Rest muss von dem Verdienst der Arbeiter aus den Überschüssen der Produktion auf den Feldern normal gekauft werden. Zum Beispiel Bier in der gemeinschaftlichen Bar, die nur Freitag und Sonntag geöffnet ist, muss bezahlt werden. Hier würde ich gerne bleiben und mehr lernen, aber uns fehlt die Zeit.

Es gibt aber noch weiteres interessantes aus dem Leben eines Piraten.

Toilette
Toilette
Alltägliches Essen
Alltägliches Essen
Schutzgeldeintreibung auf dem Meer
Schutzgeldeintreibung auf dem Meer

Mompos

Im Küstenort Carpugena, den letzten Stopp unserer Bootstour, wurde uns angeraten „auf dem Weg“ nach Cartagena einen Stopp in Mompox einzulegen. Die Stadt wurde gerade erst frisch renoviert und soll in Zukunft eine wichtige Rolle im Tourismus von Kolumbien spielen.DSC03195Insider-Geheim-Tipps sind immer willkommen und wir machen uns auf den Weg. Von Capurgena geht es mit dem Boot nach Turbo und direkt am Boot werden wir von allen Seiten belagert und beschwatzt.. Bus hier Bus da, habe Auto, habe Taxi blabla… Wir wollen die Busstation auf eigene Faust finden und vertrauen niemanden der so schreit, aber die Jungs folgen uns durch die ganze Stadt. Regelmäßig bekommen wir falsche Tipps, wahrscheinlich um irgendwo Provision zu kassieren, aber wir managen es total verschwitzt auch alleine zur Station – schon aus Prinzip.

Es zeigt sich langsam, dass Mompox nicht wirklich auf dem Weg liegt und wir müssen viel zu oft den Bus bzw. das Boot wechseln und dabei treten die Kolumbianer an den Busstationen weiter sehr unangenehm auf… Lisa hofft schon, dass es so nicht bleibt. Erinnerungen an Sri Lanka werden wach :-)

DSC03389Ein gutes Beispiel für die Situation, sind die leicht bekleideten Mädels in ihren kleinen Läden mit Snaks, Getränken usw., die von allen Seiten versuchen unsere Aufmerksamkeit zu bekommen, und zwar bedienen sie sich dabei einem gelispelten Ton zwischen Zunge und Zähnen wie „tzzztzzztzz“. Bei ca. 10 Läden klingt das dann wie ein kleines Konzert.

Vorerst sind wir aber in Sincerlejo, einen alles andere als attraktiven Ort gefangen, weil Lisa, Mailen und Patrick (nicht ich) – diese mögchtegern Piraten – extreme Verdauungsprobleme haben. Den ersten Tag kommen sie kaum aus den Zimmern, den zweiten nur kurz um Tomatensuppe zu löffeln. Währenddessen bin ich auf mich alleine gestellt und erkunde die Bahnhofsregion. Die haben ja immer einen schlechten Ruf, aber hier werden alle Klischees bedient… :-) Als ich nach dem Weg zum Markt Frage, wird mir Koks in Einkaufstüten angeboten, am Abend kloppen sich die Taxifahrer. Es gab immer was zu erzählen :D

Nach zwei Tagen „Rast“ arbeiten wir uns weiter vor um letztlich über Boot -> Bus -> Bus -> Boot -> Taxi an unserem Ziel anzukommen. Mompox liegt definitiv mal NICHT auf dem Weg…. -.-

Dafür ist Mompox aber wirklich ein echter Geheimtipp, nicht viele Gringos sind neben uns in der Stadt zu finden. Mompox MombosMompox war vor vielen Jahren mal eine sehr wichtige Hafenstadt für die Spanier, da sie so weit im Innland liegt, dass sichergestellt war, dass keine Piraten so weit vordringen können. Die Stadt hat viele imposante Kirchen und Bauwerke, die aber aktuell eher untergehen in dem gewöhnlichen Altagsleben der einheimischen Kolumbianer.DSC03211

DSC03257Schon am nächstens Tag ist das erste Spiel des Copa Amerika, quasi das Gegenstück zur EM in Süd Amerika, Kolumbien gegen Venezuela. Wir suchen uns eine schöne Einheimischenbar und erwarten das gewonne Spiel anständig feiern zu können. Leider ist das kolumbianische Team der Meinung verlieren zu müssen… Das tut der Stimmung vor Ort keinen großen Abbruch und wir kommen trotzdem zu unserem Bier.DSC03207

DSC03206Zum Glück ist das Spiel schon am Mittag und wir kommen früh ins Bett, denn für den nächsten Tag war unsere Bootstour rund um Mompox geplant. Seitdem Lisa durch die jagdt auf den Quetzal quasi zur Vogelliebhaberin geworden ist, legte sie sich gleich wieder auf die Lauer und hat einige gute Bilder geschossen.DSC03311

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Wo ist die Schlage?

Wo ist die Schlage?

Nach drei Nächten reicht es uns dann auch mit Mompox. Es ist eine interessante Stadt, aber irgendwo auch sehr gewöhnlich. Wer gerne „Off the beaten tracks“ unterwegs sein möchte, ist hier genau richtig.