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Lima

Nun geht unsere Reise wieder alleine weiter. Wir nehmen einen Flug von Bogota nach Lima, die Hauptstadt Perus. Man könnte auch sagen, vom Regen in die Traufe. Von einer Großstadt in die Nächste.

Aber ein schönes Erlebnis haben wir trotzdem zu berichten. Wir stehen am Flughafen in der Schlange für den Check in, als sich der selbe Mann, aber diesmal mit Frau und Kind hinter uns einreiht, der uns in Medellin den Anfang so erleichtert und versüßt hat in dem er uns die Bahnstation gezeigt und das Ticket gekauft hat. Wir halten ein nettes Schwätzchen, so gut es auf Spanisch geht, und sind alle von dem Zufall erfreut. Gemeinsam geht es in den Flieger. Alle guten Dinge sind drei…werden wir uns ein weiteres Mal über den Weg laufen?

Lima ist ein weiterer Ausschnitt Nord Amerikas, mit seinen unzähligen Fastfood Ketten und breiten Straßen. Da es für uns nur ein „Startpunkt“ ist, geben wir uns auch nicht besonders viel Mühe schöne Flecken aus findig zu machen. Einen Tag schlenderten wir etwas durch die Straßen und saßen in Caffes und am anderen ließen wir uns mit dem Taxi in das „Hippe Viertel“ Miraflores fahren. Außer, dass wir in einem Schokoladen Museum waren und uns ein weiteres Mal zeigen ließen, wie man Schokolade herstellt, gibt es auch nicht zu erzählen. Unser nächster Ort liegt weiter im Norden und nennt sich Caraz. Um 22 Uhr nehmen wir den Nachtbus (8St) mit der Reisegesellschaft Cruz del Sur, sie ist nicht die billigste aber empfehlenswert.

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Caraz

Caraz, ein kleines Städtchen im Nordwesten von Peru. Gelegen auf 2300 Meter und umrundet von den Anden. Hier haben wir für die nächsten vier Tage eine Wohnung auf einer Ökofarm (Apu Ökologe) gebucht.  Mit einem TuckTuck lassen wir uns zu unserer neuen Bleibe bringen. Das Tor öffnet sich und ich traue meinen Augen nicht.

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Schneebedeckte 6000er im Hintergrund

In dem bisher trocken und trist anmutende Peru versteckt sich hinter einer kleinen Mauern eine Oase, mit einer riesigen Grünfläche darauf hübsch verteilt, verschieden gestaltete Häuser und einem kleinen Teich. Auf der Farm wird Obst und Gemüse angebaut, welches zum Teil nach Deutschland importiert wird – vorallem Blaubeeren. Bevor wir unsere Wohnung beziehen, werden wir in ein Beet geführt und dürfen Himbeeren kosten.

Als „Haustiere“ gibt es 2 Scharfe, 3 Hunde, vielleicht 10 Hühner mit zuckersüßen Küken, um die 20 Mehrschweinchen und ein paar Gänse. Alle laufen auf dem riesen Grundstück vergnügt umher ausgenommen die Mehrschweinchen, die haben nicht das Glück von all den anderen Tieren und müssen leider im Stall bleiben und kommen wahrscheinlich auch als erstes in den Topf. In Peru ist Mehrschweinchen eine Leibspeise.

Um auf den lokalen Markt zu kommen, um uns fürs Frühstück und Abendessen einzudecken, nehmen wir ein Tucktuck für 2 Soles (80 Cent). Auf dem Markt gibt es Lebensmittel, die wir schon lang nicht mehr auf Märkten gesehen haben. Käse, Honig und sogar Brötchen, aber wir entdecken auch eine Frucht die wir sonst noch nicht gesehen haben. Sie erinnert uns vom Geschmack her an Hubabuba Kaugummis.

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In Peru wird sich wieder hübsch traditionell gekleidet. Man achte auf die Hüte!
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Alle Fotos werden heimlich geschossen. Die Peruaner hier sind sehr fotoscheu
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Hygiene? Davon muss man uns nichts mehr erzählen… :-) Aber das Bild gefällt mir sehr.
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Ein Kükenteppich

Auf der Suche nach einem Taxi, werden wir angesprochen. Wir drehen uns um, und wer steht hinter uns? Der selbe Mann, den wir jetzt schon in Medellin und am Flughafen in Bogota getroffen haben. Er erzählt uns, dass er hier zum Arbeiten ist und fragt ob wir nicht was mit ihm essen gehen wollen. Natürlich wollen wir! Im Restaurant sitzt seine Frau mit Baby und ist total verblüfft als wir hinein spazieren. Gemeinsam amüsieren wir uns über diese Zufälle und quatschen etwas über Gott und die Welt. Nach dem leckeren Mittagessen verabschieden wir uns mit den Worten, haste luego (bis bald) :-)

Voll gepackt mit unserem Einkauf, machen wir uns auf den Rückweg.

Die Farm gehört einer Familie, die mit auf dem Grundstück lebt und es sind noch 3 andere Gäste mit uns da. Wir verbringen den restlichen Tag in den Liegestühlen vor unserem Häuschen und genießen die spektakuläre Aussicht.

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Am nächsten Morgen fahren wir mit unserem Gastgeber und 2 anderen Gästen zu der Laguna Paron. Obwohl wir in einem 4-Rad-Antrieb sitzen und einen wirklich guten Fahrer haben, ist es eine ganz schöne Tour bis wir bei 4200 Metern ankommen. Wir spüren alle die Höhe beim Laufen und müssen wirklich langsam machen, aber die Aussicht ist grandios. Hier oben pfeift ein ganz schön kalter Wind und Patrick ist dafür etwas zu dünn angezogen.

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Laguna Paron
Der Berg soll das Vorbild für das Paramount Logo gewesen sein.

Nach etwa 5 Stunden sind wir wieder zurück auf unserer schönen Farm und wärmen uns erstmal in der Sonne auf. Abends machen wir alle gemeinsam Pizza und haben sogar einen Steinofen zum Backen.

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Mit unserer hervorragenden Pizzasauße und frischen Kräutern!!

Die nächsten Tage verbringen wir ganz gemütlich, ich bin nicht ganz fit aber dass könnte an der Höhe liegen.

Nach 4 wirklich schönen Tagen machen wir uns mit einem Collectivo (kleine Minivan), für 6 Soles ( 2 Euro) in die nächst größere Stadt Huaraz, die noch höher liegt, auf 3100 Metern.

Huaraz

Für Huaraz haben wir uns ein Hostel aus unserem Südamerika Reiseführer (Rough Guide) rausgesucht. Nach dem uns mehrere Taxifahrer versicherten, das sie das Hostel nicht kennen, machen wir uns zu Fuß auf die Suche. Das Hostel liegt ziemlich im Stadtkern und hat somit eine wirklich gute Lage aber das etwa 30 zimmerreiche Hostel, hat nicht einen einzigen Gast. Der nette Besitzer zeigt uns einige Räume und geht immer weiter mit dem Preis runter, aber daran liegt es nicht. Wir entscheiden uns gegen das Geisterhaus-Hotel, obwohl uns der Herr schon ganz schön Leid tut und die Zimmer wirklich in Ordnung sind. Wahrscheinlich hat es schon mal bessere Zeiten gesehen, die Tipps in den Reiseführern sind zum Teil schnell veraltet, manchmal ist es doch besser vorher noch mal im Internet zu schauen. Am Ende finden wir ein etwas teureres Hotel (El Jacal) was einen super Ausblick über die ganze Stadt und wirklich schöne Zimmer + super Frühstück hat. (90 Soles)

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Geplant war nur kurz, vielleicht zwei Nächte in Huaraz zu bleiben und dann wieder mit dem Nachtbus noch weiter in den Norden (Trujillo) ans Meer zu reisen.
Hier in Huaraz ist alles voller Kletter und Wanderagenturen ein echtes Wander-Mekka. Wir fragen in einer Agentur (Qetuschua Andes) nach und finden genau das passende für den nächsten Tag. Los Olivos. Ein kleines Klettergebiet direkt am Stadtrand. Für einen Tag mit kompletter Ausrüstung und Guide zahlen wir 160 Soles.

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Wir sind seit Laos nicht mehr geklettert aber wir haben riesen Spaß und kommen auch langsam wieder rein.

Morgens wachen wir mit Monstermuskelkarter am ganzen Körper auf, schon lang haben wir all diese Muskeln nicht mehr gespürt.
Für diesen Tag entscheiden wir uns, eine kleine aber wirklich sehr schöne Wanderung zur Laguna Wilcacotcha im Cordilla Negra Gebierge zu machen. Nach 2 Stunden gemütlich hoch steigen, weil einem doch etwas die Luft über 4000 Meter fehlt, hat man einen Blick auf das riesige Cordilla blanka Gebierge mit all seinen 6000 Gipfeln.

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Am Abend steht es fest, wir bleiben noch ein bisschen hier in der Gegend und gehen auf jeden Fall noch mal klettern. Gleicher Ort, selber Guid nächster Tag.
Und wieder ist es herrlich. Was man für eine Aussicht hat, wenn man oben am Bergkannte angekommen ist.

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Wir merken so langsam, wir werden hier länger verweilen als geplant. Am Abend kommen wir mit 2 Jungs ins Gespräch, die auch klettern und ein super Gebiet etwa 2 Stunden von Huaraz kennen. Hatun Machay. Jetzt verabreden wir uns aber erstmal um ein Trittes Mal in Los Olivos klettern zu gehen.

Llaca Vallay

In den letzten Wochen ändern sich unsere Pläne eigentlich täglich. Unser Rückflug ist gebucht (sehr tragisch, zu mindestens für mich) und die letzten Monate unserer Reise können wir noch freier gestalten als bisher, denn eigentlich hatten wir trotz aller Freizeit immer Termine. Nicht das wir uns über die Termine beschweren würden, aber wir mussten immer an einem bestimmten Tag weiterreisen, obwohl wir das nicht unbedingt wollten. View over Huaraz vom llaca vallayJetzt lassen wir es richtig krachen und hängen seit drei Wochen in der Region um Huaraz ab. Aber es gibt auch unendlich viel zutun z.B. wandern, klettern, schlendern, Aussicht genießen, Hotsprings usw. Die meisten kommen in die Stadt machen eine Wanderung zur bekannten Laguna 69 zur Akklimatisierung, dann folgt der Santa Cruz Trek und damit ist Huaraz abgehakt.

Gerade dass mit der Akklimatisierung hatten wir nicht so wichtig eingeschätzt, wie es eigentlich ist. In unserem Hostal war ein Typ, der seinen Freund auf dem anspruchsvollen 4 Tages Trip in Cordilla Huayhuash vor ein paar Tagen verloren hat. Er ist trotz starken Symptomen der Höhenkrankheit nicht zurück bzw. abwärts gelaufen. Am nächsten Morgen ist er gestorben und musste noch zwei Tage auf dem Esel und per öffentlichen Bus zurück transportiert werden. Und das von seinen Freunden. Man brauch bestimmt keine Angst vor der Höhe hier zu haben, aber die Geschichte bringt zu mindestens uns dazu, bewusster mit der Gefahr umzugehen… :-X View from Cordillia Negra to Cordillia BlancaAngefangen habe ich aber damit, dass sich unsere Pläne im Moment täglich ändern und eigentlich wollten wir am Ende des letzten Artikels nach Hatun Matchay, einem Klettergebiet nördlich von Huaraz. Am selben Abend werden wir aber von unserem Kletterkumpanen angeschrieben und gefragt, ob wir nicht lieber auf einen Trip in die Berge mit kommen wollen – ins Llaca Vallay. Camping auf 4400 Metern, Klettern, Wandern. Alles sehr spontan, denn wir sind für Camping 0,0 ausgerüstet. Auch unsere Klamotten sind auf Subtropenniveau und nicht für eine Region in der es nie regnet, sondern nur schneit :-) DSC03967Aber die Abenteuerlust hat uns gepackt und wir versuchen alles auf die Schnelle zu organisieren. Eigentlich hätte ich gedacht, das wird viel zu teuer kommen und am Ende alles abblasen müssen. Aber weit gefehlt. Die gesamte Ausrüstung zum Campen also Gasbrenner, Zelt, Schlafsack (Lisas für -30 C° und meiner für -10 C°), Matratze und Kochutensilien für 65 Soles (~18€). Wenn man seinen Urlaub nicht rein auf Wandern auslegt ist das eine 1a Option, wenn man überlegt was gutes Equipment in der Anschaffung kostet!! (Agentur Andean Kingdom)

Also, alles ausgeliehen und für den nächsten Tag am Resturant Chilli Heaven verabredet (Empfehlung!). Eigentlich war geplant uns vom Taxi bis zum Zeltplatz fahren zu lassen und erst am nächsten Tag mit Klettern zu beginnen. Wir ließen uns also Zeit und bestellen gemütlich unser Essen. Es war zwar nicht geplant, dass es fast eine Stunde dauert bis wir unsere Gerichte serviert bekommen, aber noch ungeplanter war, dass wohl Nüsse im Essen von Jueles waren. Er reagiert extrem allergisch auf Nüsse und möchte verständlicherweise etwas vorm Krankenhaus abwarten, bevor es losgehen kann. Nach ungefähr einer Stunde sind alle Zweifel behoben und wir können starten. Irgendwie haben wir nur viel zu viel Essen… Aber wir werden ja gefahren… :-) DSC04171Ein Taxifahrer ist schnell gefunden und mit erstaunlich günstigen 40 Soles ein richtiges Schnäppchen für die zwei Stunden Fahrt. Wir winden uns in Schlangenlinien den Berghinauf und die Straße wird immer schlechter, bis unser Fahrer entscheidet, dass die Straße zu schlecht ist zum weiter fahren. Es ist bereits nach vier und die Dämmerung beginnt. Der Taxifahrer meint es wäre nur eine Stunde laufen, darauf vertrauen wir wenig, aber was sollen wir machen? Also laufen wir los. Jeder mit annähernd 20 Kilo immer den Berg hinauf.  DSC04174Es fängt recht schnell zu dämmern an und wir haben nicht mal einen Bruchteil des Weges zurückgelegt. Es wurde schnell klar, dass wir heute nicht mehr ankommen.

Die Stimmung einer Nachtwanderung
Die Stimmung einer Nachtwanderung

Zu mindestens das Licht der untergehenden Sonne war ein Wermutstropfen, denn der Pfad war recht schmal und es gab nicht wirklich Platz die Zelte aufzubauen. Müssen wir auf der steinigen Straße schlafen? Wir kennen ja den Fahrstil hier und wollen das eigentlich vermeiden.

Alles steht in Flammen! :-)
Alles steht in Flammen! :-)

Nachdem wir noch ca. 45 Minuten unter Mondschein den Weg entlang wandern finden wir eine Schranke die den Zugang zum National Park beschränkt. Die Autos werden ja wohl nicht regelmäßig gegen die Schranke rasen? Also schlagen wir hier unsere Zelte auf. :-) Das mulmige Gefühl ist bei Reis, Tomaten, Tunfisch und Rum schnell vergessen und wir legen uns geschafft in die Schlafsäcke. DSC04183Zeltplatz auf der Straße am nächsten Morgen

Zeltplatz auf der Straße am nächsten Morgen

Am nächsten Morgen haben wir nochmal ca. 3 Stunden Aufstieg vor uns, aber der Trek ist unerwartet schön. Llaca Vallay Climbing Huaraz Klettern HuarazEigentlich war ein vollgepackter Klettertag geplant, aber um 1 Uhr kommen wir total geschafft am Zeltplatz an und keiner ist nach dem ausgiebigen Mittagessen wirklich motiviert zu klettern. Die Mühen haben sich aber gelohnt. Der Zeltplatz ist total cool gelegen.

Man sieht unsere unnötigen Essensvorräte in Plasiktüten :-)
Man sieht unsere unnötigen Essensvorräte in Plasiktüten :-)

Am Nachmittag können wir uns aufraffen. Es wird etwas geklettert, aber irgendwie ist der Fels eher feucht und nicht so optimal, dazu ist es ziemlick kalt. DSC04236 Klettern LLava Vallay Nach einem entspannten Nachmittag und Abend am Lagerfeuer… DSC04241…machen wir uns am nächsten Tag wieder an den Abstieg. Ganze 5 Stunden brauchen wir Bergab, danach haben wir erstmal wieder zwei Tage Muskelkarter.

Auch wenn alles anderst kam als erwartet; ein richtig guter Trip!

Was wir noch gelernt haben: Sprich niemals deine eigene Sprache, wenn du mit Fremden  unterwegs bist. Unsere Franzosen haben konsequent Französisch gesprochen. Das kann ganz schön nervig sein!

[Viel zu viel Text …. Fortsetzung folgt….]